GESCHICHTEN VOM GLAUBEN


Im Feuer Gottes

Vor einiger Zeit geriet ich an ein Buch des weltbekannten Afrika-Missionars Reinhard Bonnke. Was heißt ein Buch? Das Buch, nämlich seine Autobiographie (Cover siehe unten). Was mir noch nie passiert ist mit einem Buch: Ich habe es insgesamt 5- oder 6mal gelesen. Es ist die Lebensgeschichte eines Mannes, der als Pfingstler eine frühe Berufung von GOTT erhielt. Nun schaue ich ganz differenziert auf charismatische, pfingstlerische Kreise. Ich selbst bin Mitglied der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO) und der pietistisch aufgeladenen Berliner Stadtmission. Ich mag den Pietismus auf der einen Seite – weil er die persönlich-fromme Beziehung zu Gott forciert. Ich mag ihn andererseits nicht, weil er im Laufe der Jahre, Jahrzehnte eine fragwürdig-gesetzliche Entwicklung genommen hat, die mich abstößt. Und nun die Pfingstler? Hm! Ich habe den einen oder anderen von ihnen schon kennengelernt, habe da meine Bedenken, auch geäußert, und bin durch das Buch eben dem Pfingstler Reinhard Bonnke begegnet, der so ganz anders war als in meinen Erwartungen. Nüchtern, bescheiden, demütig, ohne jeden Stolz auf sich selbst, und – ganz gehorsam den Weisungen des dreieinigen Gottes gegenüber. Was hat Gott ihn dadurch segnen können! — Und nun möchte ich gern auf meiner Homepage die eine oder andere Geschichte von Reinhard Bonnke veröffentlichen, bearbeitet, das heißt ein wenig gekürzt. Damit andere Leute von diesem ungeheuer segensreichen Wirken Gottes an und mit diesem Mann lesen und so nachempfinden können.

Walter Sohn

 

Kapitel 1

ICH SITZE GANZ RUHIG, während sich in meinem Inneren gleichzeitig eine Explosion aufstaut. Ich lehne mich nach vorne, sitze nur noch auf der Stuhlkante. Meine Hände streichen unwillkürlich über den abgegriffenen Einband meiner Predigtbibel, mein Fuß tippt einen ungeduldigen Tanz auf dem hölzernen Boden der Plattform. Jede Zelle meines Körpers wartet voll Anspannung auf das, was gleich geschehen wird. Ich glaube, wenn Sie in meinen Schuhen steckten, würde es Ihnen genauso ergehen.

Im FEUER GOTTESWir befinden uns inmitten einer tropischen Nacht im nördlichen Nigeria, tief im Herzen Afrikas. Die Luft, die uns umgibt, ist warm, feucht und voller Geräusche. Eine Musikgruppe aus einer der christlichen Gemeinden der Umgebung singt Lobpreislieder zum Rhythmus einer Schlangenhauttrommel. Ein Chor von Vögeln, Fröschen und Insekten in der uns umgebenden Vegetation stimmt in die Melodie mit ein. Direkt vor uns steht eine gewaltige Menschenmenge. Es sind fast 700.000 Besucher, Stammesangehörige, die viele Kilometer zu Fuß gelaufen sind, um sich hier zu versammeln. Sie strahlen Hitze aus - und Erwartung. Die meisten von ihnen sind Moslems. Ihre uns zugewandten Gesichter ziehen mich an, wie der Lichtschein einen Falter anlockt. Zusammengenommen werden unfassbare 2,4 Millionen Menschen an den fünf Abenden diese Evangelisation besuchen. Mehr als 1,4 Millionen von ihnen werden Jesus Christus als ihren Herrn und Erretter annehmen, nachdem ich sie dazu eingeladen habe. Große Teams geschulter Mitarbeiter werden sich im Rahmen der fast lückenlosen Nacharbeit um jeden Einzelnen von ihnen kümmern.


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aus Kapitel 18

Fünf Minuten in Kimberleys Disco

MEIN TELEFON KLINGELTE. Bruder Harold Horn, den ich seit meiner Ankunft in Lesotho kannte, sagte: „Reinhard, komm nach Kimberley und predige für uns.“

Ich antwortete: „Ich komme.“

Kimberley, etwa 250 Kilometer westlich von uns gelegen, hatte knapp 100.000 Einwohner. Wie Maseru war Kimberley eine abgelegene Stadt. Schon seit einem Jahrhundert war sie durch ihre Diamantenminen berühmt, in denen man die größten Diamanten der Welt gefunden hatte. Die ganze Region war davon geprägt, dass man Reichtum und Glück nur aus der Erde herausholen musste. Der Bergbau war das Rückgrat der Wirtschaft.

Die Kimberley–Minen gehörten den Nachfahren weißer Siedler. Die Knochenarbeit in den Minen wurde jedoch von schwarzen Männern verrichtet, viele von ihnen kamen aus meinem eigenen Land Lesotho. Die Gemeinde, die ich in Kimberley besuchen sollte, war allerdings eine Kirche „nur für Weiße“.

Ich weiß noch, dass es am Abend eines kalten Tages war, als ich dort eintraf. Am Himmel waren viele Wolken, ein eisiger Wind blies von den umliegenden Bergen herab. Harold fuhr mich zu der Gemeinde, in der ich predigen sollte. Wir hatten uns auf eine Reihe von Veranstaltungen am Freitag, Samstag und Sonntag geeinigt. An jenem ersten Freitag saß ich auf dem Podium und blickte über eine Versammlung von 200 Menschen. Ich sah keine einzige junge Person im Saal, nicht eine.

Ich lehnte mich zu Harold hinüber, der neben mir saß, und fragte: „Wo sind die jungen Leute?“

Er nickte traurig, womit er bestätigte, dass ich das Problem erkannt hatte. Jeder Kopf im Raum hatte graue Haare.

Ich predigte. Als der Gottesdienst zu Ende war, gingen die Leute nach und nach zu ihren Autos, um nach Hause zu fahren. Als alle weg waren, kam Harold zu mir.

„Reinhard, möchtest du die Antwort auf deine Frage sehen? Möchtest du wissen, wo die jungen Leute von Kimberley sind?“

„Das möchte ich“, sagte ich.

„Ich zeige es dir. Steig in mein Auto, ich bringe dich hin.“

„Wohin wirst du mich bringen?“

„Es ist eine Überraschung“, antwortete er. Er tat etwas geheimnisvoll.

Er fuhr durch die Straßen, bog hier ab und dort ab, bis wir zu einem großen Gebäude am Rande eines Industriegebietes kamen. Das Gebäude funkelte und blitzte von greller Neonreklame. Eine riesige Leuchtschrift blinkte immer wieder auf: Disco, Disco, Disco.

Der Parkplatz war überfüllt mit Autos. Wir parkten in einer Straße einen Block entfernt. Als er den Motor ausschaltete, hörte ich das boom–Boom–Boom des harten Basses, der durch die Wände der Disco bis zu uns dröhnte. Diese so genannte Musik schien den Boden unter uns mit ihrem gottlosen Geist regelrecht zu erschüttern.

„Das ist eine Lasterhöhle“, sagte ich traurig. „Wie schrecklich. Hier sind die jungen Leute alle gelandet?“

Er nickte. „Das ist der letzte Schrei, Reinhard. Es nennt sich Diskothek, ein Tanzclub. Es ist eine Mode, die gerade auf der ganzen Welt die jungen Menschen an sich reißt, nicht nur hier.“

Ein Frösteln lief mir den Rücken hinunter. Wie konnte die Gemeinde um die Aufmerksamkeit der Jugend mit etwas wetteifern, das solch eine Anziehungskraft besaß? Das kleine ruhige Gemeindehaus, aus dem wir gerade kamen, und diese pulsierende, gigantische ehemalige Lagerhalle hätten nicht unterschiedlicher sein können. Die Disco war so riesig, so laut, so energiegeladen … und so überwältigend.

Ich sah wieder die Gesichter der alten Menschen vor mir, zu denen ich gerade vor einer Stunde gepredigt hatte. Sie alle waren gekommen, um Reinhard Bonnke in einer Versammlung zu hören, in der kein einziger junger Mensch anwesend war. Nun saßen sie zweifellos in ihren Häusern, wiederum ohne junge Menschen um sich herum. Die jungen Leute waren hier und gaben sich allen Arten von Sinneseindrücken hin. Sie konnten zumindest sicher sein, dass ihre Eltern und Großeltern sie hier nicht störten. Die ältere Generation würde es nicht wagen, diese schrille und beängstigende Atmosphäre aufzusuchen.

Harold stieg aus und stand eine Weile an die Motorhaube gelehnt, um zuzuhören. Ich stieg ebenfalls aus und stellte mich zu ihm.

Wir konnten nun über dem dröhnenden Bass auch die Musik hören. Es war furchtbare Musik. Ich konnte es nicht wirklich als Musik bezeichnen. Ich dachte daran, wie sanft ich mein Akkordeon spielte, um fröhliche Lieder über Jesus zu singen, damit die Menschen in den Straßen von Lesotho aufmerksam wurden. Der Klang meines kleinen Akkordeons wäre hier vollkommen untergegangen. Niemand hätte mich überhaupt bemerkt. Ich begann mich klein und unwichtig zu fühlen.

„Was bedeutet den Menschen diese Disco?“, fragte ich Harold.

Er schüttelte ratlos den Kopf. „Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht.“

Nach einer Weile sagte er: „Lass uns reingehen.“

„O nein!“, rief ich. „Wir sollten nach Hause fahren. Ich habe solch einen Ort noch nie betreten. Das wäre ein Gräuel für mich. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich mich benehmen soll. Und was würden die Leute von mir als Prediger denken? Das ist undenkbar!“

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